Grünes Band und Reviertreue

Grünes Band und Reviertreue mit Vera Drebusch

Welche Auswirkungen hatte der Eiserne Vorhang auf die Natur, und was ist heute von ihm übriggeblieben?Ausgehend von diesen Fragen haben Vera Drebusch und Anne Reiter ihren Blick auf das Grüne Band gerichtet. Dieses erstreckt sich entlang der einstigen Grenzanlagen von 24 Staaten zwischen »Ost« und »West«. Schon in Zeiten der geschlossenen Grenzen hatte der schmale Streifen Raum für eine beinahe ungestörte Entwicklung der Natur geboten. Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurden große Teile zu Naturschutzgebieten umgewandelt. Die vier Meter lange getuftete Arbeit ist einem Ausschnitt dieses Bands nachempfunden. Dabei dienten Luftaufnahmen als Vorlage für das abstrakte Muster aus farbiger Wolle. Das weiche, flexible Material lässt in Verbindung mit den sich verzweigenden Linien zunächst vermuten, die Natur habe es geschafft, die Grenze aufzulösen. Eine Studie, die über sechs Jahre hinweg die Bewegungen von Hirschen im Böhmerwald verfolgte, zeigt jedoch etwas anderes: Der Zoologe Pavel Sustr stellte 2015 fest, dass die Tiere auf der tschechischen Seite bis dato genau bis zu der Stelle wanderten, wo früher der Sperrbereich vor der Staatsgrenze begann. Die gestickten Fäden in Reviertreue visualisieren die Bewegung der Hirsche. Dabei ließen sich die Künstlerinnen von den Grafiken aus Sustrs Studie inspirieren.
Text: Gesa Wieczorek

Die Arbeiten wurden in Mythos „Heimat“-Eine Hinterfragung im Bucerius Kunstforum in Hamburg vom 15.05.-26.05.2024 und in über.unter.entlang. Grenzen queren Geesthacht Museum vom 12.07.-01.09.2024 gezeigt.
Das Projekt wurde gefördert von der Claussen-Simon-Stiftung, Hamburg
Fotos: Vera Drebusch